Sonntag, 29. März 2015

Palmsonntag


Hosanna dem, der kommt 

im Namen des Herrn.


Der Einzug in Jerusalem

Am Tag darauf hörte die Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin. Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn in der Schrift stand und dass man so an ihm gehandelt hatte. (Joh 12,12-16) 
Die Bibel/Einheitsübersetzung

Heute noch "Hosanna!" - und bald darauf schon "Kreuzige ihn!".

Wenige Tage nur liegen zwischen dem begeisterten Hosanna und der Raserei eines wütenden Mob, der schreit: "Kreuzige ihn!"
Wenig nur und der Mensch kippt um - je nach seinen Befindlichkeiten, den Vorteilen, die er sich erhofft, der öffentlichen Meinung, der man nicht zu widersprechen wagt, weil man Nachteile oder gar Schlimmeres befürchten muss.

Der Palmsonntag spannt einen unfassbaren Bogen zwischen den größten Gegensätzen in seiner kostbaren Liturgie. 
Vom Jubel des begeisterten Volkes bis zum tiefsten Schmerz der Passionsgeschichte. 
Von festlicher Prozession zur Dramatik des Erlöserleidens. 

Hier breiten die Leute die Kleider aus, um ihrem Herrn zu huldigen und erhoffen sich von ihm Glück und Wohlstand .... - Dort reißen sie ihm die Kleider vom Leib und schämen sich nicht, das letzte Hab und Gut des Herrn per Glücksspiel zu verteilen (vgl. Mk 11,9ff, Joh 19,24, etc.).
Hier reißen sie euphorisch noch Zweige von den Bäumen und jubeln Jesus zu. - Dort wird er hasserfüllt ans Holz des Baumes genagelt und beschimpft, verlacht, verachtet ...!
Hier laufen sie ihm voraus und hinterher. - Dort laufen die meisten einfach nur noch weg. 

Dem Palmsonntag gleicht kein anderer Sonntag im liturgischen Jahreskreis in all seiner inneren Spannung und Weite, die in sich das ganze Drama der Sünde und ihrer Folgen widerspiegeln. 
Schnell fallen die Masken und flüchtig ist der Glanz des Augenblicks. Wer wirklich Jesus meint und Jesus hört, wer nicht nur seinen eigenen Launen folgt, oder dem Mainstream - der findet sich mit Maria unter dem Kreuz wieder - schweigend - treu - gehorsam - in aller Unbegreiflichkeit Gottes ausgerichtet auf den Willen des Vaters im Himmel - ganz gleich, ob man dabei auf der Seite der allgemeinen Meinung steht, oder nicht.

Das Maß ist nicht das Schreien des Volkes, das fast immer launenhaft gerade "Dessen Lied singt, wessen Brot es gerade isst"!
Die Wahrheit ist auch nicht wirklich in der Stimme des Volkes, das wankelmütig und egoistisch stets neue "Wahrheiten" sucht, die möglichst der Bequemlichkeit und Befindlichkeit dienstbar sein sollten! 

Noch so gut gemeint - bedeutet noch lange nicht GUT!
Pastoral verträglich - heißt noch lange nicht von Gott gesegnet oder vor ihm gerechtfertigt! 


Maß und Wahrheit sind in Gottes Gebot und Gottes Offenbarung - so hat es Jesus ganz klar verkündet. (vgl. Mt 16,23)

Im Jahr des geweihten Lebens sind alle Gott-geweihten gefragt - alle, die durch das heilige Sakrament der Taufe erwählt und gesalbt, ihm geweiht sind! Jede weitere Weihe des Lebens im Dienst Gottes z.B. durch Gelübde o.Ä. ist ja letztlich eine Vertiefung und Entfaltung der Taufgnade, welche die eigentliche LEBENSWEIHE ist. 

Alle Getauften sind also in diesem Jahr des geweihten Lebens besonders nach ihrer Treue gefragt. 
Wem sind wir verpflichtet? Wo ist Treue gefragt - auch gegen den Strom? 
Was ist das Maß Gottes, in dessen Erfüllung wir hinein zu wachsen berufen sind - statt all den An-maßungen der Moderne, die glaubt, dass man Gottes Gebote nach eigenem Gutdünken "anpassen" und zeitgemäß "modellieren" dürfte!?

Der Palmsonntag stellt uns vor die große Frage: Wem folgen wir? 

  • Dem Jesus, dem die Welt jubelt, solange er sie satt macht, ihr "gut tut", ...? Oder sind wir bereit, Jesus - dem Erlöser - zu folgen, auch wenn er den Weg der Erlösung geht, der am Kreuz die Geister scheidet?
  • Folgen wir einem "Phantom-Jesus", der zu einem "barmherzigen Alles-Versteher" stilisiert wird und der zu allem freundlich nickend einfach gar nichts sagt - bzw. nichts zu sagen hat, und auch nichts sagen soll, weil wir uns selbst schon alles erklären und schönreden ...? Oder folgen wir dem Erlöser - JESUS CHRISTUS - der gekommen ist, die Sünde zu besiegen, nicht schönzureden; der gekommen ist, die Gebote zu erfüllen, nicht sie aufzuheben, weil sie nicht mehr der "Lebenswirklichkeit" der meisten Leute unserer Zeit entsprechen ...?

Wem folgen wir???

Folgen wir dem "konstruierten Jesus", der alles gut finden würde, "wenn er heute leben würde", ganz einfach - weil wir ein Alibi für unsere Sünden brauchen, das sich fromm anhört?
Oder folgen wir dem Herrn und Erlöser Jesus Christus, der sein Leben, Leib und Blut hingab, um uns zu retten und uns echte Umkehr aus unseren "von den Vätern ererbten, sündhaften Lebensweise" zu befreien (vgl. Petr 1,18-19) und unser Denken zu erneuern, damit wir erkennen, was Gott will? (Röm 12,2) 


HEUTE!


Wenn wir heute mit Palmbuschen in die Kirche gehen, wenn wir heute in die heilige Karwoche eintreten, dann soll es nicht jene Halbherzigkeit sein, die heute schnell einmal ein "Hosanna" singt und morgen Jesus neu ans Kreuz schlägt, weil wir unsere Sündengewohnheiten verteidigen wollen und uns dem Zeitgeist beugen, dem Mainstream, dem Geschwätz der Weltlüge, ...!


Die Palmzweige und die Asche der Umkehrbereitschaft


Was für ein Zeichen, dass die Asche am Aschermittwoch eigentlich aus den verbrannten Palmbuschen des Vorjahres gewonnen werden sollte! 
Der Jubel verblasst so schnell, ja wird sogar zum Gegenteil. Eindrücklich kommt das in der Asche aus den verbrannten Palmzweigen zum Ausdruck. Umkehr ist gefragt. Erneuerung! Das, was war - soll neu werden.

Da war auch in unserem Leben in vielerlei Hinsicht das "Ja" zu Gott - das dann zu einem "vielleicht später", zu einem "ein bisschen nur" oder sogar zu einem klaren "Nein" wurde.
Da ist auch in unserem Leben das "Hosanna" - das dann zu einem "Kreuzige ihn" wird, zu einem "ich will den Anspruch Gottes nicht hören, damit es nicht unbequem wird, nicht weh tut, nicht ernst wird ..."!

Da ist der heilige Taufbund - und dann unser fehlendes, kontinuierliches Zeugnis für Jesus! 
Da ist unsere Firmung mit ihrem heiligen Auftrag - und dann unsere erloschene Begeisterung, unsere Rückzieher nach unseren Versprechen der Treue Gott gegenüber, unsere ganze Gebrochenheit, die uns der Welt angepasst leben lässt, statt "Salz der Erde" zu sein ...!
Da ist unsere Kommunion mit ihrer innigsten Vereinigung mit Gott - und dann unser Leben, das seinen heiligsten Namen entehrt, weil wir alles andere als mit Gott geeint sind ... und dennoch verlangen, dass wir "haben wollen", was wir gleichzeitig ablehnen, wenn wir uns gegen ihn stellen und nur uns selbst kennen und verteidigen wollen ...

Da sind Weihesakrament, Ehesakrament und all die Untreue, die Lieblosigkeit gegenüber des Heiligen Bundes und seiner Pflichten und Gaben ...

So Vieles will uns heute zum Beginn der letzten, heiligen Woche der österlichen Bußzeit aufrufen, dass wir aufblicken und umkehren - aus ganzem Herzen umkehren - damit unser "Hosanna" mit den Heiligen Engeln in aller Reinheit und Lauterkeit zum Himmel schallt und nicht zu einem Verrat wird.

Gott schenke uns die Gabe echter Herzensumkehr, damit wir heute in den himmlischen Jubel einstimmen dürfen, der schon das Osterlicht der Erlösung kennt und so auch das Kreuzesdunkel ertragen und durchstehen kann.
Gott schenke uns die Gnade, mit den Heiligen Engeln im Sanctus das "Hosanna" des himmlischen Jerusalem zu singen. 


Unsere Palmbuschen 

Es gibt sehr viele verschiedenen Bräuche bei der Gestaltung und dem Binden der Palmbuschen. Zum Teil unterscheiden sie sich sogar von Ort zu allernächsten Nachbarsort. 
Eines haben jedoch alle gemeinsam: Die (grünen) Zweige, die in Anlehnung an die hl. Schrift am heutigen Tag zur Ehre Gottes getragen werden. Sie wollen zum Zeichen des Segens für uns werden und werden traditionell hinter das Kreuz im häuslichen Herrgotts-Winkel (oder Gebetsecke) gesteckt.

In unseren Palmbuschen finden sich folgende Sinnbilder:
Das Grün ist ein Symbol des Lebens und Hoffnung, die sich nicht auf irdische Dinge gründet, sondern auf der Liebe Gottes, die uns geschaffen hat uns uns in der Erlösung aus allem Todesschlaf erweckt, neu belebt und fruchtbar macht. 
Das ewige Leben ist das Ziel und das Maß des Himmels ist Weisung auf dem Weg. 
Der immergrüne Buchsbaum zeigt die immerwährende Lebenskraft, die in der Gnade Gottes gegenwärtig ist. 
Die Palmkätzchen (Weidenkätzchen) gehören zu den ersten Blühern des neuen Jahres, zu den ersten Zeugen der Fruchtbarkeit, die nach dem Winter wieder aufbricht und alles aus dem Schlaf der Kälte aufstehen lässt. 

Das Leben aus Gott besiegt den Tod der Welt. 
Darum ist es das Kreuz, das in der Mitte in unserem Palmbuschen gleichsam als Siegeszeichen (z.B. in der Fahne) thront und geschmückt ist vom Grün außen herum. 
Es verkündet die Wandlungskraft des heiligen Kreuzes und seinen Sieg über allen Tod, der in der Sünde seine Wurzel hat.

Rot sind die Manschetten, die Blüte, die das Blut des Lammes preisen, aus dem wir neu geboren sind. 
Die weiß-gelben Bänder in den Kirchenfarben geben Zeugnis von der Gnade, die der Herr seiner Braut, der Kirche anvertraut hat, durch die wir all die Gnadenfülle immer neu empfangen dürfen - vor allem in den hl. Sakramenten.



Für die Variante mit einem Kreuz-Fähnchen haben wir hier eine einfache Druckvorlage erstellt. Wer mag, kann damit ganz schnell eine Palmbuschenfahne selber machen oder sich inspirieren lassen. 

Im Kreuz steht (aus dem Sanctus): 

Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine DOMINI. Hosanna in excelsis. 
(d.h. Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.)


Die Dornen im Hintergrund gehören übrigens nicht direkt zu unserem Palmbuschen, sondern stammen vom Dornzweig, der in der Gebetsecke dahinter steht :)

Mit Klick auf das Bild kommt man zum druckfähigen PDF. 



Gesegneten Palmsonntag!